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01.12.2018

Die Aliens in unseren Meeren

Wie die Experten des IfAÖ jedes Jahr neue Lebensarten (Neozoen) in Nord- und Ostsee entdecken

Mit dem Blick durch das Mikroskop beginnen die meisten Entdeckungen, die die Wissenschaftler der Institut für Angewandte Ökosytemforschung GmbH (IfAÖ) machen. Dort untersuchen die Experten benthische bodenlebende) Meerestiere und -pflanzen aus Proben, die sie bei ihren Ausfahrten in Nord- und Ostsee mit ins Labor gebracht haben. Die jeweiligen Proben sind wichtig für die Umsetzung verschiedener Bauprojekte, wie dem Bau eines neuen Offshore-Windparks oder einer Gaspipeline. Ohne die ökologischen Untersuchungen des IfAÖ kann nicht sichergestellt werden, ob es durch den Bau eventuell zu Veränderungen des biotischen Umfeldes kommen wird.  Deshalb wird vor und nach einer Projektphase das ichthyologische und makrozoobenthische Umfeld überprüft und abgeglichen, um frühzeitig  Fehlentwicklungen entgegenzuwirken oder ganz zu vermeiden.


Jedes Jahr entdecken die Wissenschaftler mit dem Blick durch das Mikroskop neue Arten entlang unserer Küsten. Dabei wird in der Art und Weise der Entdeckungen in zwei Kategorien unterschieden, wie Dr. Anja Schanz, Fachbereichsleiterin Benthische Organismen und Habitate, ausführt: „Es gibt zum Einen Arten, die wir oder Kollegen komplett neu entdecken. Die also zuvor noch nie in Nord- oder Ostsee beschrieben wurden. Diese 'Erstfunde' werden dann von Taxonomen beschrieben und bekommen einen eigenen Namen. Die zweite Sorte von Entdeckungen sind die nicht-heimischen Arten. Wir kennen ihre Art, ihren Namen, entdecken sie aber in Gebieten, wo sie zuvor noch nicht waren.“

Was sind die Ursachen der „Aliens“ in unseren Meeren? Die Experten des IfAÖ führen dabei an, dass über 75 Prozent der Neozoen über den Schiffsverkehr eingeschleppt werden oder durch die steigende Anzahl von Bauarbeiten. Die meisten dieser Arten kommen durch das Fouling in lokale Gewässer. Das wird dadurch erkennbar, dass ein sehr hohes Aufkommen an nicht-heimischen Arten in unseren Häfen existiert. Um die kurze Antwort zu wählen - es ist der Mensch, der durch seine Aktivitäten dafür sorgt, dass neue Arten in die Nord- bzw. Ostsee eindringen. Der natürliche Wasseraustausch zwischen den Gewässern der beiden Meere ist extrem eingeschränkt. Das häufigste Auftreten fremder Arten in der Ostsee kann man im Greifswalder Bodden und in der Pommernbucht beobachten, sagen die Wissenschaftler des IfAÖ. Warum? „Weil es in der Ostsee eine natürliche Artenarmut gibt. Dadurch haben neue Arten eine Chance, sich schneller zu etablieren und auszubreiten“, so Benthos-Expertin Dr. Schanz. Hinzukommt, dass erfolgreiche Neozoen viel toleranter gegenüber Umweltbedingungen sind und eine höhere Fruchtbarkeit gegenüber heimischen Arten aufweisen.

Eine Auswahl der neuentdeckten bzw. eingeschleppten Arten, welche durch das IfAÖ in den letzten Jahren erstmals in deutschen Gewässern entdeckt wurden, finden Sie in Bildergalerie rechts:

Der Flohkrebs Melita nitida wurde 2013 durch das IfAÖ erstmals in der Ostsee (Greifswalder Bodden) entdeckt und ist seit 1998 in der Nordsee etabliert. Er gilt als invasiv und kommt wahrscheinlich

durch den Schiffsverkehr in unsere Gewässer. Gegenüber Verschmutzungen und Sauerstoffmangel im Wasser ist er sehr tolerant.

Der Flohkrebs Grandidierella japonica durch 2015 erstmals durch das IfAÖ in der Ostsee nachgewiesen (Wismarbucht). Auch in den Folgejahren wurde diese Art wieder gefunden, es haben sich also stabile Populationen ausgebildet. Benachbarte Gebiete der Ostsee wurden in den Folgejahren ebenfalls besiedelt, die Art breitet