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28.08.2017

IfAÖ erstellt die wissenschaftlichen Grundlagen für Nord Stream 2-Pipeline

Großauftrag umfasst ökologische Kartierungen, umweltbezogene Anträge und Umweltmonitoring.

Es ist eines der größten Infrastrukturprojekte im europäischen Raum: die Errichtung der Nord Stream 2-Pipeline (NSP-2) über 1.200 Kilometer zwischen Russland und Deutschland. Seit zwei Jahren arbeitet das zur GICON-Firmengruppe gehörende Institut für Angewandte Ökosystemforschung (IfAÖ) an der Durchführung ökologischer Kartierungen und der Erstellung der umweltbezogenen Antragsunterlagen. Die Arbeiten hierzu wurden im Frühsommer 2017 erfolgreich abgeschlossen. Entstanden sind mehrere tausend Seiten Unterlagen für das behördliche Genehmigungsverfahren, um das Ziel - den geplanten Baubeginn 2018 – zu unterstützen.

IfAÖ nutzt Erfahrungen aus dem Nord Stream-Projekt

Bereits 2006 hatte das IfAÖ den Zuschlag für ähnliche wissenschaftliche Leistungen im Vorfeld der Bauarbeiten der Nord Stream-Pipeline erhalten. Nach Abschluss der Bauarbeiten folgte darüber hinaus ein ausführliches Umweltmonitoring (sogenanntes „Recovery Monitoring“), welches die durchgeführte Renaturierung dokumentiert hat. IfAÖ-Prokurist Frank Wolf: „Dass wir den Nord Stream 2-Auftrag ebenfalls erhalten haben, unterstreicht unsere Fähigkeit, Großprojekte mit internationaler Beteiligung wissenschaftlich fundiert, termingerecht und zugleich wirtschaftlich effizient auszuführen.“ Als privatwirtschaftliche Forschungseinrichtung erforscht und bewertet das IfAÖ seit mehr als 25 Jahren terrestrische und aquatische Ökosysteme.

Ähnlich wie beim ursprünglichen Nord Stream-Projekt das im Jahr 2011 in Betrieb genommen wurde und aus zwei Erdgas-Pipelines besteht, ist es geplant, die beiden zukünftigen NSP-2-Pipelines, welche jeweils 27,5 Milliarden Kubikmeter Erdgas pro Jahr transportieren können, durch die Hoheitsgewässer bzw. ausschließlichen Wirtschaftszonen (AWZ) von Russland, Finnland, Schweden, Dänemark und Deutschland zu verlegen. Der geplante Ursprung liegt in der Nähe von St. Petersburg (Russland), das Ende nach einer Ostsee-Durchquerung in der Nähe von Lubmin an der deutschen Ostseeküste. Bei der Entwicklung des NSP-2-Projektes haben die Verbesserung der Versorgungssicherheit, die Unterstützung der europäischen Klimaziele und die Stärkung des europäischen Energiemarktes eine Schlüsselrolle gespielt. Der Projektentwickler, Vorhabenträgerund Betreiber für dieses weit bekannte Megaprojekt ist die Nord Stream 2 AG. Die Nord Stream 2 AG mit ihrem Anteilseigner PJSC Gazprom wird von den europäischen Energieunternehmen ENGIE , OMV, Shell, Uniper und Wintershall unterstützt, die sich an der Finanzierung des Projektes beteiligen.

IfAÖ bringt ökologisches und technisches Know-how ein

Das IfAÖ hat sich seit Herbst 2015 intensiv mit dem NSP2-Projekt beschäftigt. Anhand der durchgeführten ökologischen Untersuchungen und Kartierungen sowie dem Technischen Erläuterungsbericht (von der Firma IMP aC Offshore Engineering GmbH erstellt) wurde der Streckenverlauf der künftigen Pipelines geplant. Anhand der eingereichten Antragsunterlagen und des Ergebnisses der Öffentlichkeitsbeteiligung entscheiden die Behörden über die Genehmigung des Projektes. Berücksichtigt werden müssen neben wirtschaftlichen und ökologischen Interessen unter anderem auch die Belange der Fischerei-, Tourismus- und Schifffahrtsindustrie. Im Detail beinhalteten die Arbeiten des IfAÖ eine breite Palette an Umweltkartierungen bzw. -untersuchungen sowohl im Onshore-Bereich in der Nähe der geplanten Anlandung als auch im Offshore-Bereich innerhalb der deutschen Hoheitsgewässer bzw. der AWZ. Einige dieser Kartierungen, zum Beispiel für Kegelrobben oder für Rastvögel, wurden kontinuierlich über ein ganzes Jahr durchgeführt, andere Kartierungen wurden saisonal oder während relevanter Perioden durchgeführt (z.B. während der Brutzeit). Die Arbeiten erfolgten zu Lande (z.B. für Reptilien/Amphibien und Fledermäuse), per Schiff zu Wasser, aus der Luft mit der vom IfAÖ entwickelten Kameratechnik DAISI (Digital-Aerial-Imaging System from IfAÖ) sowie Unterwasser mit Videoanlagen und Tauchern.

Werner Piper als Geschäftsführer und Peter Feuerpfeil als Projektleiter stellten in diesem Zusammenhang die Vorteile der GI CON-Firmengruppe dar: „Ein großes Lob an alle Beteiligten! Die Durchführung dieser breiten Palette von Dienstleistungen in einem engen Zeitplan war eine logistische und organisatorische Herausforderung – die wir erfolgreich gemeistert haben. Innerhalb der Firmengruppe haben wir dafür standortübergreifend zusammengearbeitet. Die Niederlassungen in Dresden und Leipzig standen uns beim Projekt- und Datenmanagement unterstützend zur Seite.“ Insgesamt haben über 140 Festangestellte und Freiberufler über 50.000 Stunden für das Projekt gearbeitet. Aufgrund dieser konzertierten Bemühungen konnte dem Kunden termingerecht ein wissenschaftliches Ergebnis geliefert werden, mit dem auch er seinen weiteren Zeitplan einhalten kann. Das IfAÖ wird den Kunden bis zur Erteilung der Baugenehmigung unterstützen. Die Inbetriebnahme der Nord Stream 2-Pipeline ist bis Ende 2019 geplant.

Europipe in Mülheim an der Ruhr produziert 90.000 Großrohre für Nord Stream 2. Jedes ist zwölf Meter lang und hat einen Durchmesser von 1.153 Millimeter. Nachdem die Rohre fertig geschweißt sind, werden sie von außen und innen inspiziert. Ultraschall- und Röntgenuntersuchungen identifizieren mögliche Fehler am Material oder den Schweißnähten. Mehr als die Hälfte der Produktionsschritte im Europipe-Werk dienen der Qualitätskontrolle. | Foto: Nord Stream 2 / Wolfram Scheible

Die ersten von OMK hergestellten Pipeline-Elemente werden im russischen Wyksa für die Lieferung zum Ummantelungswerk in Kotka (Finnland) vorbereitet. OMK ist einer der drei von der Nord Stream 2 AG ausgewählten Produzenten und hat am 22. September 2016 mit seinen Lieferungen begonnen. Pro Zugtransport werden rund 300 Rohre geliefert.

Nord Stream 2 wird im Einklang mit dem einzigartigen Ökosystem der Ostsee gebaut. Das Projekt profitiert dabei von der umfangreichen Expertise, die bei der Umsetzung der bestehenden Nord Stream-Pipeline erlangt wurde. | Foto: Axel Schmidt