Umwelttoxikologie / Fortpflanzungsstörungen
Fortpflanzungs- und Entwicklungsstörungen zählen zu den schwerwiegendsten Schadeffekten der anthropogenen Belastung aquatischer Lebensräume, da sie sich in letzter Konsequenz auf den Fortbestand einer Population auswirken können. Umweltstressoren können entweder eine direkte toxische Wirkung auf die Keimzellen ausüben oder endokrine Wechselwirkungen beeinflussen und dadurch die Reproduktion und die frühe Entwicklung der Nachkommen stören.
Im Rahmen verschiedener Projekte hat das Team Umwelttoxikologie histologische Untersuchungen an den Gonaden von Fischen durchgeführt und dabei Entwicklungsstörungen nachgewiesen.
Insbesondere bei der Aalmutter wurden bei männlichen und weiblichen Tieren ein verbreitetes Vorkommen von Intersex bzw. Degenerationen der Eizellen in deutschen Küstengewässern ermittelt. Außerdem wiesen die Nachkommen der lebendgebärenden Aalmutter häufig Störungen der Larvalentwicklung auf. Weiter Studien zum Vorkommen von Störungen bei der Gonadenentwicklung erfolgten u.a. beim Stichling und der Plötze.
Bei Muscheln kann das vermehrte Vorkommen von degenerierten Gonadenfollikeln als diagnostischer Indikator für die Wirkung von Umweltstress gelten. Die Wattschnecke hat sich im Rahmen von biologischen Effektuntersuchungen in den Küstengewässern von Mecklenburg-Vorpommern als geeigneter Bioindikator zum Nachweis der reprotoxischen Wirkung von zinnorganischen Substanzen (zumeist TBT) erwiesen.





