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07.10.2015

IfAÖ erforscht Wiederansiedlung der Europäischen Auster

Studienleiter Dr. Andreas Schmidt spricht auf Konferenz in Stralsund und im RBB-Radio

An der deutschen Nordseeküste ist sie bereits seit den 1930er-Jahren komplett verschwunden - die 2013 zum „Weichtier des Jahres“ gewählte Europäische Auster. Doch nun haben Biologen des Instituts für Angewandte Ökosystemforschung (IfAÖ) eine Machbarkeitsstudie zur Wiederansiedlung der Auster im Auftrag des Bundesamtes für Naturschutz (BfN) erstellt und auf der 4. Internationalen Konferenz „Progress in Marine Conservation in Europe“ in Stralsund der Öffentlichkeit präsentiert. Dort trafen sich unter dem Vorsitz des BfN vom 14. - 18. September 2015 rund 180 Experten aus 20 Ländern. Diskutiert wurden Themen und Forschungsergebnisse rund um den Erhalt der Meeresumwelt.

Wiederansiedlung unter bestimmten Voraussetzungen möglich

Dr. Andreas Schmidt vom IfAÖ-Standort Hamburg stellte Möglichkeiten und Perspektiven zur Wiederansiedlung der Europäischen Auster in der Deutschen Bucht vor. Größtes Problem dabei ist die Schleppnetzfischerei. „Allerdings gibt es Bestrebungen, das Schleppnetzfischen in Naturschutzgebieten zu verbieten, so dass die Europäische Auster dort wieder heimisch werden könnte“, so Schmidt. Die Auster ist ein wichtiger Ökosystemdienstleister. Sie dient verschiedenen marinen Arten wie Krebsen und Schnecken als Nahrungsquelle und nicht zuletzt dem Menschen als Delikatesse, was zugleich der Hauptgrund für ihr Verschwinden war. Zudem entstehen durch die Ansiedlung der Auster Riffstrukturen, die vielen Meeresbewohnern als wichtiger Lebens- und Siedlungsraum dienen und überdies eine stabilisierende Wirkung auf Küstensedimente haben können.

Nachdem die Machbarkeitsstudie gezeigt hat, dass unter bestimmten Voraussetzungen eine Wiederansiedlung der Europäischen Auster möglich ist, muss nun in einer zweiten Phase durch Experimente im Feld und im Labor gezeigt werden, welche Austern aus den noch bestehenden Population mit den Bedingungen in der deutschen Nordsee zurechtkommen. Überlegungen zur Durchführung dieser Feldforschung werden derzeit vom BfN angestellt.

GICON und IfAÖ mit weiteren Dienstleistungen zur Erfassung von Arten

In weiteren Beiträgen auf der Konferenz präsentierten Experten von GICON und dem IfAÖ zudem neueste Forschungsergebnisse und Methoden der Datenauswertung. Dazu gehörte zum einen die Vorstellung des digitalen Befliegungssystem DAISI zur Erfassung der Populationen von an der Nord- und Ostsee überwinternden Wasservögeln durch Dr. Timothy Coppack (IfAÖ). Zum anderen erläuterte Dr. Heiko Kalies aus der GICON-Niederlassung Leipzig die Möglichkeiten zur Nutzung datenbankgestützter Fachinformationssysteme bei der Bearbeitung großer Datenmengen zur Erfassung der marinen Artenvielfalt.


Links:

Informationen zur Konferenz

Interview mit Dr. Andreas Schmidt zur Europäischen Auster in der Sendung „Die Profis“ auf rbb Radioeins

Europäische Auster aus der Nordsee, Foto: Kröncke

Europäische Auster aus der Nordsee, Foto: Kröncke

Ehemaliges Verbreitungsgebiet der Europäischen Auster

Ehemaliges Verbreitungsgebiet der Europäischen Auster