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11.06.2015

IfAÖ untersucht Reaktionen mariner Säuger auf Bau von Offshore-Windenergieanlagen

Fachbeitrag auf dem Danish Marine Mammal Symposium

Ohne die effektive Nutzung der Offshore-Windenergie kann die Energiewende in Deutschland nicht gelingen. Doch der Bau von Windenergieanlagen stellt auch einen potentiellen Eingriff in den Lebensraum von Meerestieren wie marinen Säugetieren dar. Um Erkenntnisse zu gewinnen, ob insbesondere die Bautätigkeiten während der Fundamenterrichtung Auswirkungen haben, wurde die Errichtung des Offshore-Windparks „EnBW Baltic 2“ mit 80 Anlagen zwischen Sommer 2013 und Frühjahr 2014 durch das Institut für Angewandte Ökosystemforschung (IfAÖ) begleitet.

Auswirkungen der Rammarbeiten auf Schweinswale dokumentiert

Die Biologen des IfAÖ-Fachbereichs Marine Säuger untersuchten die Auswirkungen der Rammarbeiten auf Schweinswale (Phocoena phocoena), der einzigen heimischen Walart an Deutschlands Ostseeküste. Ziel war es, Maßnahmen zur Schallminderung und Vergrämung zu prüfen sowie die Effekte der Rammarbeiten und die natürliche saisonal bedingte Habitatnutzung von Schweinswalen im Gebiet zu dokumentieren.

Bei den Untersuchungen in der deutschen Ostsee kamen sogenannte Schweinswal-Klickdetektoren (C-PODs) zum Einsatz, welche die hochfrequenten Wal-Laute aufzeichnen. So konnte die akustische Aktivität der Tiere im Zuge der Bauarbeiten analysiert und bewertet werden. Die Ergebnisse der Untersuchung stellte die IfAÖ-Biologin Anna Meyer-Löbbecke in einem Vortrag Ende April 2015 auf dem „12th Danish Marine Mammal Symposium“ an der Universität Aarhus vor internationalen Wissenschaftlern aus der Meeressäugerforschung vor.

Vergrämunsmaßnahmen bereits erfolgreich in der Praxis angewendet

Als Maßnahme zum Schutz der Schweinswale und anderer Meeressäuger hat die EnBW Baltic 2 GmbH bei der Errichtung der Fundamente einen doppelten großen Blasenschleier um den Rammpfahl ausgelegt, der den emittierten Schall deutlich verringerte. Weiterhin wurden vor Beginn des Rammens Vergrämungsmethoden wie Pinger und Seal Scarer eingesetzt, um die Tiere temporär fernzuhalten. Die Effizienz der Vergrämung wurde mittels zwei mobil eingesetzter C-PODs in 750 und 1500m Entfernung zur Rammposition kontrolliert.

Die von Frau Meyer-Löbbecke vorgestellte Datenanalyse zeigte, dass während der Vergrämung keinerlei Klicks von Schweinswalen im näheren Umfeld detektiert wurden, was auf den Erfolg dieser Maßnahmen schließen lässt. Auch bei über 95 Prozent der auf die Vergrämung folgenden Rammungen gab es keine Hinweise auf Schweinswale. Ein ähnliches Ergebnis lieferten die Daten von fünf dauerhaft ausgebrachten C-PODs rund um das Baufeld. Auch diese wiesen eine Reduzierung der Klicklaute während der Rammarbeiten nach. Im Anschluss an das Rammen stellte sich jedoch schnell wieder eine Normalisierung der Aktivitäten der marinen Säuger ein.

Der Umstand, dass die Schweinswale wieder in ihren Lebensraum zurückkehren, sei laut Meyer-Löbbecke eine wichtige Erkenntnis der Untersuchungen. Nach der Errichtung von „EnBW Baltic 2“ setzt das IfAÖ während der Betriebsphase das Monitoring der marinen Säugetiere fort, um den Einfluss des Windparks auf Schweinswale und Robben weiter zu untersuchen.

POD-Spiere mit Schweinswal; Bildquelle POD-Spiere: Christian Homann @ www.ahoi-studio.de; Bildquelle Schweinswal: Ole Meyer-Klaeden

POD-Spiere mit Schweinswal; Bildquelle POD-Spiere: Christian Homann @ www.ahoi-studio.de; Bildquelle Schweinswal: Ole Meyer-Klaeden